Höhere Kosten der Dürre nicht noch zusätzlich auf Milchbetriebe abwälzen

27.07.2026

Die anhaltenden Hitzewellen führen bundesweit zu sinkenden Ernteerwartungen. Während sich die Getreidebestände im Frühjahr zunächst gut entwickelt hatten, haben die extremen Temperaturen vielerorts zu erheblichen Schäden geführt. Für Milchviehbetriebe bedeutet u.a. das steigende Futterkosten, die den größten Anteil der Produktionskosten ausmachen.

Besonders betroffen ist der Silomais. Er bildet die Grundlage der Futterversorgung vieler Milchviehbetriebe und leidet derzeit massiv unter der anhaltenden Trockenheit. Bereits zu Beginn der Blüte zeigt sich, dass die Erträge vielerorts deutlich hinter dem Vorjahresniveau zurückbleiben werden. Die Dürre belastet damit nicht nur die Ernte, sondern erhöht gleichzeitig die Kosten der Milchproduktion.

Gleichzeitig ging die in Deutschland erzeugte Milchmenge, die in den ersten fünf Monaten des Jahres noch deutlich über dem Vorjahresniveau lag, in der ersten Juliwoche um 3,6 Prozent zurück. Trotz des leichten Mengenrückgangs zahlen die meisten Molkereien weiterhin einen Milchpreis unter 40 Cent je Kilogramm Milch. Der aktuelle Milch Marker Index weist für den Monat eine durchschnittliche Kostenunterdeckung von 28 Prozent für die Milchviehbetriebe aus.

Steigende Futterkosten infolge der Dürre drohen diese Situation weiter zu verschärfen. Während der Preis für Milchprodukte an der internationalen Börse „Global Dairy Trade“ leicht steigt, und im Inland die Absätze für Butter, Käse und Magermilch belebt sind, zeigt der Milcherzeugerpreis kaum nach oben. Die kurzfristig gestiegene Milchmenge erscheint marginal, da uns laut den Wettermodellen sämtlicher Meteorologen die nächste Hitzewelle erreichen wird. 

Vor diesem Hintergrund fordert die MEG Milch Board, die zusätzlichen Kosten der Dürre nicht allein den Milchviehbetrieben aufzubürden. Anders als andere Marktteilnehmer können landwirtschaftliche Betriebe ihre steigenden Produktionskosten, da ihnen ja die vertragsgebundene Vermarktung politisch verwehrt wird, bislang nicht über den Markt an ihre Abnehmer weitergeben.

Im Herbst soll in Deutschland die EU-weit verbindliche Vertragspflicht umgesetzt werden. Die MEG Milch Board fordert deshalb, als Vertreterin der Milcherzeuger in die Konsultationen des Bundeslandwirtschaftsministerium einbezogen zu werden. Ziel ist eine Vertragsgestaltung, die es den Bäuerinnen und Bauern ermöglicht, ihre Milch nicht lediglich abzuliefern, sondern sie auf Grundlage vertraglich vereinbarter Mengen, Qualitäten, Laufzeiten und Preise tatsächlich zu verkaufen. Die Produktionskosten, die regelmäßig mit dem Milch Marker Index ermittelt werden, müssen dabei eine wesentliche Grundlage der Vertragsverhandlungen sein.

Frank Lenz, Vorsitzender des MEG Milch Board, erklärt:

„Vor dem Hintergrund, dass eine ganze Branche vom fairen Wettbewerb ausgeschlossen ist, erwarten wir von der Bundesregierung, dass die MEG Milch Board in die Umsetzung der EU-weiten Vertragspflicht einbezogen wird. Wir fordern nichts anderes, als dass auch wir Bäuerinnen und Bauern unser Verhandlungsgeschick am Markt wirksam einbringen können.“

Immer wieder werde gegen verbindliche Verträge das Argument eines angeblich übermäßigen bürokratischen Aufwands angeführt. Die MEG Milch Board weist diese Kritik zurück. Verträge seien in allen Bereichen der Wertschöpfungskette selbstverständlich und Ausdruck eines funktionierenden Marktes. Bürokratisch und teuer sei nicht die Vereinbarung von Milchkaufverträgen mit unternehmerischen und marktwirtschaftlichen Vertragsbedingungen, sondern der Zustand, dauerhaft aufgrund von Preisdiktaten unterhalb der eigenen Produktionskosten wirtschaften zu müssen. Die Milch Board Mitglieder wollen unternehmerisch handeln, so wie in allen anderen Wirtschaftsbereichen die Produktionskosten Grundlage der Preiskalkulation sind.

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