Ein wirksames Verhandlungsmandat für Milchbetriebe wäre ein wirksamer Lösungsansatz

18.08.2026

Mehrgefahrenversicherung bei Dürre und gleichzeitigem Käufermarkt sind keine marktwirtschaftlichen Lösungen, ein Freiwilliger Lieferverzicht und vertragsgebundene Milchvermarktung ab Erzeugerebene schon

Die anhaltende Dürre in Deutschland führt zu Engpässen von Grundfutter auf den Betrieben. Der Zukauf an Grundfutter nimmt zu. Die Kosten für die Betriebe werden dadurch weiter steigen und sie können diese nicht wie in einer Marktwirtschaft üblich auf den Verkaufspreis ihres wertvollen Produkts Milch umlegen, egal ob sie an genossenschaftliche oder private Molkereien liefern. Das macht unternehmerische Wertschöpfung für bäuerlicher Arbeit unmöglich.

Hitzewellen dämpfen die Milchleistung, die sich zwar durch Abkühlungen wieder erholt, dann aber unter dem Niveau vor der Hitze bleibt. Die Milchanlieferung in Deutschland bleibt zwar aktuell in etwa gleich, liegt aber insgesamt noch 4,3 Prozent über der Menge im Vorjahr. Damit drücken immer noch nicht nachgefragte Milchmengen auf den Markt und wirken dämpfend auf die Erzeugerpreise. Bundesminister Rainer kündigt als Lösung die Mehrgefahrenversicherung an.

Frank Lenz, Vorsitzender der MEG Milch Board, sagt dazu: „Eine Mehrgefahrenversicherung kann bestenfalls ein Instrument sein, um betriebliche Risiken abzusichern. Sie muss aber letztlich aus der marktwirtschaftlichen Leistung der Betriebe finanziert werden. Was sie nicht kann, ist die Ursache unserer aktuellen Probleme zu lösen: die grundsätzlich viel zu niedrigen Milchauszahlungspreise. Wenn Bundesagrarminister Alois Rainer es ernst meint, muss er sich deshalb auf EU-Ebene für die Aktivierung des Freiwilligen Lieferverzichts gegen Entschädigung nach Artikel 219 GMO einsetzen. Damit können nicht nachgefragte am Markt zu platzierende Milchmengen gezielt und zeitlich befristet vom Markt genommen und die Voraussetzungen für ein Marktgleichgewicht geschaffen werden. Dadurch würden die Milchbäuerinnen und Milchbauern endlich eine stärkere Verhandlungsposition am Markt erhalten, womit sie Preise erzielen könnten, die nicht nur ihre Kosten decken, sondern auch unternehmerische Gewinne ermöglichen. Denn erst wer Gewinne erwirtschaftet, kann daraus Rücklagen bilden, investieren, Klimaschutzmaßnahmen umsetzen und Instrumente wie eine Mehrgefahrenversicherung aus marktwirtschaftlicher Kraft finanzieren.“

Die wirtschaftliche Lage auf den Milchbetrieben ist sehr ernst. Die Produktionskosten für April liegen bei 53,12 Cent/kg Milch und der Preis bei 38,29 Cent/kg. Nach Berechnungen des Milch Marker Index, die die MEG Milch Boards regelmäßig ermitteln lässt, fehlen den Betrieben im Durchschnitt fast ein Drittel zur Kostendeckung ihrer Milch. Der Kieler Rohstoffwert ife fiel von 38,0 ct/kg im April auf 35,7 ct/kg im Juni zurück. Notwendige Preissteigerungen bleiben vorerst aus. 

Die Verhandlungsmacht der Betriebe wird gestärkt, wenn Milchmengen, mit der keine Wertschöpfung erzielt wird, gar nicht erst gemolken wird. Damit wird ein marktwirtschaftliches Gleichgewicht geschaffen, auf dessen Grundlage auch die vertragsgebundene Milchvermarktung ab Erzeugerebene nach Artikel 148 der GMO auf fruchtbaren Boden fallen und ihre beabsichtigte Wirkung entfalten kann. Erst unter diesen Voraussetzungen kann das erklärte Ziel der EU, die Position der milchproduzierenden Betriebe in der Wertschöpfungskette nachhaltig zu stärken, tatsächlich erreicht werden.

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