MMI 2-2026: Die Wirtschaftlichkeit der Betriebe bricht erneut ein
Der Milch-Marker-Index (MMI) liegt im Januar 2026 bei 114 und damit deutlich unter den Vorjahreswerten. Gleichzeitig brechen die Auszahlungspreise im Milchsektor um über 20 Prozent ein, während die Produktionskosten nur leicht sinken.
Milch-Marker-Index sinkt
Der Milch-Marker-Index (MMI) liegt im Januar 2026 bei 114 (Basis 2020 = 100). Er liegt damit unter dem Wert von Oktober 2025 (117) und unter dem Vorjahresniveau 2025 (119). Die Wirtschaftlichkeit der Milchbetriebe hat sich damit weiter verschlechtert.
Die Milcherzeugungskosten liegen bei 52,58 Cent pro Kilogramm Milch. Das entspricht einem Rückgang um 2,20 Cent gegenüber dem Vorjahr. Gegenüber Oktober 2025 konnten die Kosten nur um 1,15 Cent gesenkt werden. Die Spielräume für weitere Einsparungen sind damit stark begrenzt.
Regionale Unterschiede bei den Kosten
In Ostdeutschland sinken die Kosten auf 50,06 Cent pro Kilogramm Milch. Das entspricht einem Rückgang um 2,01 Cent. In Norddeutschland liegen die Kosten bei 45,52 Cent (-0,85 Cent). In Süddeutschland betragen sie 61,30 Cent (-1,15 Cent).
Massiver Preiseinbruch am Milchmarkt
Die Auszahlungspreise fallen deutlich stärker als die Kosten. Sie sinken von 49,94 auf 39,43 Cent pro Kilogramm Milch. Das entspricht einem Rückgang von 10,51 Cent bzw. rund 21 Prozent. In Norddeutschland liegen die Preise bei 36,80 Cent (-23,4 Prozent), in Ostdeutschland bei 39,62 Cent (-20,8 Prozent), in Süddeutschland bei 42,60 Cent (-18,6 Prozent).
Besonders stark betroffen ist Schleswig-Holstein. Dort sinkt der Preis auf 34,64 Cent (-25 Prozent).
Statt Kostendeckung eklatantes Defizit
Während für das Jahr 2025 im Deutschlandmittel noch eine vergleichsweise geringe Kostenunterdeckung von rund 5 Prozent festgestellt wurde, zeigen die Zahlen im Januar 2026 nun das volle Ausmaß der aktuellen Milchkrise. Innerhalb von nur drei Monaten ist der Milchpreis um 21 Prozent gesunken.
Dazu stellt der Vorsitzende der MEG Milch Board Frank Lenz fest: „Die Folge ist gravierend: Statt annähernder Kostendeckung liegen wir inzwischen wieder bei einer Unterdeckung von etwa 25 Prozent. Damit sind die Milcherzeugerinnen und -erzeuger nach einem kurzen Intermezzo mit halbwegs auskömmlichen Milchpreisen erneut mit voller Wucht auf dem Boden eines strukturell nicht funktionierenden Milchmarktes angekommen.“
Spielraum für Kostensenkungen ist ausgereizt
Wie schon in der Vergangenheit reagieren die Betriebe mit Kostensenkungen. Im Vergleich zum Oktober 2025 wurden die Kosten um 1,15 Cent reduziert – und das in einer Phase, die gleichzeitig von massiver Unsicherheit und steigenden Kosten, insbesondere im Energiebereich, geprägt ist. Lenz zufolge zeigt das deutlich, dass die Bäuerinnen und Bauern ihrer unternehmerischen Verantwortung bis an die Grenzen des Machbaren gerecht werden.
Er betont zudem: „Ein Preisverfall dieses Ausmaßes lässt sich durch Kostensenkungen nicht annähernd kompensieren. Die Vorstellung, dies sei möglich, bleibt ein immer wieder erzähltes, aber realitätsfernes Narrativ.“
Verbindung von Angebot und Nachfrage fehlt
Die aktuelle Entwicklung macht einmal mehr deutlich, dass ein funktionierender Milchmarkt nur dann entstehen kann, wenn Angebot und Nachfrage wirksam miteinander verknüpft werden. Die Molkereien verfügen über das Wissen zur tatsächlichen Nachfrage, während die Erzeugerinnen und Erzeuger die Angebotsmenge beeinflussen können – jedoch ohne Zugang zu den notwendigen Marktinformationen. Diese fehlende Brücke verhindert eine wirksame Marktreaktion.
Vor diesem Hintergrund erschließt sich Lenz nicht, dass einzelne Akteure trotz der offensichtlichen Krise weiterhin jegliche Vorschläge zur Verbesserung der Position der Bäuerinnen und Bauern in der Wertschöpfungskette ablehnen und gleichzeitig behaupten, der Markt reguliere sich selbst. „Diese Haltung blendet die existenzielle Lage vieler Betriebe aus.“
Umso wichtiger ist es für Lenz, dass Bäuerinnen und Bauern hier nicht verstummen, sondern klar benennen, was notwendig ist: ein mindestens kostendeckender Milchpreis – und perspektivisch ein Preisniveau, das auch wirtschaftliche Entwicklung und Zukunftsinvestitionen ermöglicht.
Weitere Grafiken
Video zum MMI