MMI 1-2026: Die nächste Milchpreiskrise ist da!

15.01.2026

Der Milch Marker Index liegt im Stichmonat Oktober 2025 bei 117. Die Milcherzeugungskosten sind gegenüber Juli 2025 leicht um 0,20 Cent je Kilogramm auf 53,73 Cent gestiegen. Kostentreiber waren erneut höhere Aufwendungen für die Unterhaltung von Gebäuden und Maschinen; entlastend wirkte dagegen der Rückgang der Futterkosten.

Trotz des nur moderaten Kostenanstiegs hat sich die Lage spürbar verschärft: 7 Prozent der Erzeugungskosten konnten nicht mehr gedeckt werden, weil die Auszahlungspreise im selben Zeitraum deutlich um 3,43 Cent auf 49,94 Cent je Kilogramm fielen. Damit rutscht die Milcherzeugung insgesamt wieder in die Unterdeckung.

Regional zeigten sich klare Unterschiede: Im Norden sanken die Milcherzeugungskosten um 0,39 Cent auf 46,36 Cent – dadurch blieb die Kostendeckung trotz des stärksten Preisrückgangs (-4,77 Cent auf 48,06 Cent) gerade noch gewährleistet. Im Osten verschärfte der Kostenanstieg um 1,18 Cent auf 52,07 Cent die Unterdeckung, während die Auszahlungspreise um 3,92 Cent auf 50,03 Cent nachgaben. Unterm Strich fehlten 2,04 Cent je Kilogramm zur Kostendeckung.

In der Region Süd waren die Auszahlungspreise mit 52,27 Cent zwar weiterhin am höchsten, die Kostenseite blieb jedoch deutlich im Nachteil: Bei 62,44 Cent pro Kilogramm ist die Kostendeckung nach wie vor weit entfernt. Ausschlaggebend sind vor allem die regional bedingt höheren Arbeitskosten der nicht entlohnten Familienarbeitskräfte. Das heißt: Süddeutsche Betriebe sind trotz hoher Milchpreise weiterhin deutlich von einer fairen Entlohnung ihrer Arbeit entfernt – der hohe Arbeitsaufwand wird nicht ausreichend vergütet, sodass sie mit einem geringeren Einkommen aus der Milchproduktion auskommen müssen.

Molkereien geben Dumpingpreise des Handels an Erzeuger weiter

„Im Oktober 2025 sind die Milcherzeugungskosten auf unseren Höfen zwar nur geringfügig gestiegen, bei jedoch gleichzeitig ruinös abstürzenden Milchauszahlungspreisen“, beschreibt der Vorstandsvorsitzende der MEG Milch Board Frank Lenz die krisenhafte Lage. Der sich daraus ergebenden Unterdeckung der Kosten von 7 Prozent sind die Milcherzeugerinnen und -erzeuger hilflos ausgesetzt, weil es keinen rechtlichen Rahmen und keinen vertraglichen Schutz gibt, der das verhindern könnte. Sollte der Milchpreis den Prognosen des Instituts für Ernährung und Ernährungswirtschaft (ife) folgen und Richtung 40 Cent fallen, könnte sich bei gleichbleibenden Kosten eine Unterdeckung von 26 Prozent ergeben.“

Lenz fährt fort: „Der Preiskrieg des Handels um die Marktführerschaft wird auf Kosten der Bäuerinnen und Bauern ausgetragen. Das Preisdiktat des Handels geben die Molkereien als ruinöse Dumpingmilchpreise offensichtlich ohne großen Widerstand wie gehabt an die Erzeugerinnen und Erzeuger weiter. Gleichzeitig profitieren sie doppelt: Sinkende Milcheinkaufspreise als größter Kostenfaktor und steigende Milchmengen senken die Stückkosten in der Verarbeitung erheblich – ein Effekt, den die Molkereien bei dieser Gelegenheit selbstverständlich mitnehmen. In der Summe fügt sich dieses Vorgehen nahtlos in die Exportstrategie von Minister Rainer ein, denn mit fairen Erzeugerpreisen und hohen Umweltstandards ist am Weltmarkt nichts zu holen.“

Durch das aktuelle System der nachträglichen Preisfestsetzung, das nur dem Handel und den Molkereien dient und nützt, können keine betriebswirtschaftlich verlässlichen und gewinnbringenden Preise für die Milcherzeuger erreicht werden. Dieses System lässt sich nach Ansicht von Lenz nur durchbrechen mit einer Umsetzung von Art. 148 – um sich durch Verträge mit den Molkereien vor Preisdiktaten durch den Handel und die Lebensmittelindustrie schützen zu können – und im Krisenfall durch den kurzfristigen Einsatz der bereits vorhandenen Marktkriseninstrumente mit freiwilligem Lieferverzicht gemäß GMO „Deshalb ist es richtig und wichtig, dass die Bäuerinnen und Bauern für ihre Höfe demonstrieren und damit auch einen Systemwechsel zu ihrem eigenen Schutz vorantreiben.“

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Grafik Kosten(unter)deckung

Poster Erzeugungskosten

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