Milchmarkt steht unter Druck
Beitrag der MEG Milch Board in der agrarzeitung vom 30.04.2026
Dynamik lässt nach, Preise bleiben kritisch
GÖTTINGEN. Der Anstieg der Milchanlieferung verliert an Tempo. Die
wirtschaftliche Lage der Erzeugerbetriebe bleibt angespannt.
Der saisonale Anstieg der Milchanlieferung in Deutschland verliert an Schwung. Nach Angaben der ZMB erfassten die Molkereien in der 15. Kalenderwoche nur noch 0,1 % mehr Milch als in der Vorwoche. Zwar liegt das Niveau weiterhin um 5,8 % über dem Vorjahr, doch die Dynamik hat nachgelassen.
Ähnlicher Trend in Frankreich
Die Milchanlieferungskurve flacht ab und entfernt sich vom steilen Wachstum der Vormonate. Auch in Frankreich zeigt sich ein ähnlicher Trend: Hier betrug der Zuwachs zur Vorwoche 0,6 %, während der Vorsprung zum Vorjahr auf 1,1 % zurückging. Am Buttermarkt dominiert derzeit eine abwartende Haltung. Nach einer kurzen Belebung im Anschluss an Ostern hat sich die Nachfrage nach abgepackter Ware stabilisiert, während Blockbutter weiter unter Druck steht. Die Preise für Butter und Milchfette geben sowohl national als auch international nach. Mit Einstiegspreisen von 3,95 bis 4,30 Euro je Kilogramm wurden die Notierungen bereits zum dritten Mal in Folge gesenkt.
Auch die Global Dairy Trade Auktion zeigt einen Abwärtstrend mit Preisrückgängen von 7,9 % bei Butter und 9,6 % bei wasserfreiem Milchfett. Stützende Impulse kommen dagegen aus dem Käsemarkt. Für die Sommersaison wird in Südeuropa eine hohe Auslastung im Tourismus erwartet, was die Nachfrage beleben dürfte. Gleichzeitig bleiben die Lagerbestände niedrig.
Mehr Ware auf EU-Ebene
Auf EU-Ebene wächst die Milchanlieferung weiterhin. Im Februar lag sie 4,8 % über dem Vorjahreswert, im Januar bei 4,9 %. Dennoch rechnet die Europäische Kommission für 2026 nur mit einem leichten Produktionsplus von 0,2 %. Nach einem starken Jahresbeginn könnte die zweite Jahreshälfte schwächer ausfallen.
Das IG-Milchbarometer sieht den Milchpreis bei 41,8 Cent je Kilogramm für die kommenden zwölf Monate. Doch dieser Wert täuscht über die Realität hinweg: Nach einem deutlichen Preiseinbruch ist lediglich eine langsame Erholung in Sicht. Die Erzeugungskosten liegen laut Milch Marker Index aktuell bei rund 52,6 Cent/kg – eine kostendeckende Produktion ist damit nicht möglich.