Vorstellung der Sektoruntersuchung Milch – Endbericht
„Wechseln Sie doch die Molkerei!? – Das erfordert die Rückkehr zum Nomadentum, Herr Mundt!“
Bei der Vorstellung des Sektorberichtes Milch am 19.1.2012 in Bonn gab der Präsident des
Bundeskartellamtes Andreas Mundt den Milcherzeugern drei Empfehlungen:
Erstens, die Molkerei zu wechseln. Zweitens, zu prüfen, wie die Bauern sich besser positionieren könnten. Und drittens, die Preistransparenz im Milchsektor zu verringern.
Dazu kommentiert Peter Guhl, Vorstand der größten deutschen Milcherzeugergemeinschaft MEG Milch Board:
„Wechseln Sie doch die Molkerei!? Herr Mundt, das geht für die meisten Erzeuger nur durch Rückkehr zum Nomadentum!
Im Zeitalter der Fusionen, wo Molkereizusammenschlüsse faktisch Milch-Einkaufsradien von mehreren hundert Kilometern nach sich ziehen, ist ein Molkereiwechsel realistisch für die meisten Erzeuger gar keine Option mehr, es sei denn, Milcherzeuger beenden die Sesshaftigkeit und wandern mit der Milchviehherde ihrer Wunschmolkerei hinterher.“
Die Auswirkung der Preistransparenz halte er für überbewertet, da sich Preisabsprachen der großen Molkereien ohnehin nicht verhindern ließen. „Die hundertprozentige Andienungspflicht ist für Erzeuger ein viel größerer Hemmschuh!“
Zur von Mundt empfohlenen Prüfung, wie eine bessere Positionierung der Erzeuger am Markt erfolgen könnte, wies Guhl darauf hin: „Wir sind über den Status des Prüfens längst hinaus! Wir wissen inzwischen: Die Bildung von Erzeugergemeinschaften und die Bündelung der Milch vor den Molkereien nach Marktstrukturgesetz ist die einzige Chance, den Erzeugern überhaupt eine ausreichende Verhandlungsmacht am Markt zu ermöglichen, damit Preisverhandlungen auch zu kostendeckenden Preisen führen!“
Genau aus diesem Grunde habe der Zwischenbericht des Kartellamtes aus dem Jahre 2010, der im Unterschied zu dem aktuell herausgegebenen Teil die Beziehung
zwischen Erzeugern und Molkereien genauer beleuchtet habe, die Bündelung in Erzeugergemeinschaften nach Marktstrukturgesetz empfohlen, weil nur sie eine
Marktposition vor den Molkereien sichere, die eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Preisforderung aus der Sicht der Erzeuger (orientiert an den Erzeugungskosten)
ermögliche. Wenn Mundt bei den Molkereien so eine Preiskalkulation für sinnvoll halte, dann gelte das für Erzeuger ja wohl erst recht.
„Bündelung ist, neben einem sinnvollen Mengenmanagement, nach wie vor die einzige Option der Erzeuger für Preisverhandlungen bei denen die
Erzeugungskosten überhaupt eine Rolle spielen!“ so Guhl.
Hier gibt es die Pressemitteilung als pdf-Download: PM zur Sektoruntersuchung Milch [134,13 kB]
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