MILCH BOARD
Die Deutsche Milcherzeugergemeinschaft
Als Milcherzeugergemeinschaft verfolgt die MEG Milch Board das Ziel, die Marktposition der Milcherzeuger in Deutschland nachhaltig zu stärken. Im Kern setzt sie sich für die faire Gestaltung von Marktregeln ein. Denn das Zentrale Element am Markt ist nicht der Wettbewerb, sondern die Regeln zu denen er stattfindet (Prof. Dr. Dr. Radermacher).

Insolvenz oder Arla

Veröffentlicht am: 06. September 2011

Die bayerische Milchwirtschaft blickt in diesen Tagen gebannt auf die Entscheidung der Allgäuländer Bergbauern. Am 12. September sollen sie noch einmal auf einer außerordentlichen Generalversammlung über die Zukunft ihres Unternehmens abstimmen. Im ersten Anlauf hatten über 30 Prozent der Milcherzeuger gegen eine Übernahme durch Arla gestimmt. Bleiben die Bergbauern bei ihrem Nein, gilt die Übernahme mit größter Wahrscheinlichkeit als gescheitert und Allgäuland bleibt nur noch der Gang zum Insolvenzgericht. Insolvenz oder Arla, mehr Alternativen haben die hoch verschuldeten Allgäuländer nicht mehr. Da die MeG Milch Board in den zurückliegenden Wochen mehrfach von an Allgäuland liefernden Mitgliedern um Rat gefragt wurde, möchten wir die Situation aus gegebenem Anlass kommentieren und die Alternativen durchspielen.

1.  Übernahme durch Arla

Arla ist eine Genossenschaft wie Allgäuland, allerdings sind die Genossenschaftsanteile der Allgäuländer Milcherzeuger nichts mehr wert. Ihre Anteile an ihrer eigenen Molkerei haben sich unwiderruflich in Luft aufgelöst. Arla hat momentan auch nicht vor neue Anteile an die zukünftig an Arla liefernden Milcherzeuger auszugeben. Arla ist bei der anstehenden Übernahme nur an den Produktionsstätten der Allgäuländer interessiert. Aus bisherigen Teilnehmergenossenschaften werden Liefergenossenschaften, welche den Rohstoff bereitstellen. Die Rohstoffversorgung soll über sogenannte Milchpartnerverträge (Einzelverträge mit 4-jähriger Laufzeit) gesichert werden. Die Konditionen der Partnerverträge wurden von Arla festgelegt. Die Milcherzeuger bleiben also weiterhin Genossen, nur ihre Molkerei und das eingesetzte Kapital sind futsch. Von einer Rettung Allgäulands durch die Übernahme von Arla kann hier aus Sicht der Milch erzeugenden Genossen keine Rede sein. Einzig die Vorstände und Aufsichtsräte behalten ihre Posten und die Blamage einer Insolvenz bleibt ihnen erspart. Ein weiterer Vorteil der Arlaübernahme wäre natürlich, dass ein Teil der Arbeitsplätze an den Produktionsstandorten vorerst sicher wäre. Aber auch hier hat Arla noch keine klaren Antworten gegeben.

Etwas unprofessionell wirkte die Vermarktungsstrategie welche Torben Olsen, Geschäftsführer von Arla Deutschland, zum Besten gab. Von einem Spezialitätenwerk wie Allgäuland es bisher favorisiert hatte, war jedenfalls keine Rede mehr. Die vage Ankündigung vielleicht >>Mountain Cheese<< für den Weltmarkt zu produzieren, stieß bei den Bergbauern verständlicher Weise auf massive Ablehnung und Unverständnis. Wenn das Allgäu von Arla aber nicht als Region vermarktet werden soll, dann lässt dies den Schluss zu, dass den Übernahmeplänen ein rein strategischer Hintergedanke anhängt. Weitläufig ist bekannt, dass Arla eine Spitzenposition am deutschen Milchmarkt anstrebt. Allgäuland wäre der erste wichtige Brückenkopf im milchreichen Süden.

2.  Insolvenz

Da die Allgäuland GmbH einen massiven Schuldenberg angehäuft hat und die Banken weitere Kredite verwehren, steht das Unternehmen kurz vor der Insolvenz. Geschäftsführer Paul Ritter hatte bereits öffentlich angekündigt, dass im Falle einer Nichtübernahme durch Arla am 10. September kein Milchgeld (Augustmilch) mehr ausbezahlt werde. Von einigen Mitgliedern wurde diese Aussage als existenzgefährdend eingestuft und sie stellten die Lieferung an Allgäuland ein. Top Agrar meldete, dass 163 Mitglieder der Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG, eine der sechs Teilhabergenossenschaft der Allgäuland Käsereien GmbH, ihre Milch von anderen Molkereien abholen ließen. Tendenz steigend. Abnehmer der Bergbauernmilch seien u. a. die Schönegger Käsealm und die Molkerei Zott. Ritter kritisierte die >>Abtrünnigen<< und erklärte in der Allgäuer Zeitung, dass die Bergbauern damit ihr eigenes Unternehmen schädigen und die Konkurrenz fördern. Diese Aussage verdeutlicht wie weit der Realitätsverlust in der Führungsriege der Allgäuland GmbH bereits fortgeschritten ist. Die Bauern haben ihr Unternehmen, welches in den vergangenen Jahren einen unterdurchschnittlichen Milchpreis ausbezahlte bereits so oder so verloren. Arla bietet für die Bauern nur die Perspektive der >>Milchabholung<<. Verwunderlich ist an dieser Stelle also nicht, dass die Bauern bei der Aussicht auf ausbleibende Milchgeldzahlungen nicht mehr liefern, sondern dass es bereits genug regionale Molkereien gibt, die bereit sind die freie Milch aufzunehmen. Diese Bereitschaft schadet den Übernahmeplänen von Arla am meisten. Wenn Rettungsboote bereitstehen, verlässt man das sinkende Schiff leichteren Herzens! Im Allgäuer Oberland schwelt schon lange der Kampf um die Rohmilch der Bergbauern. Mit dem Lieferstreik ist er nun eskaliert. Die enggeschnürten Aufnahmebedingungen von Arla und das Vertuschen der desaströsen Finanzlage bei Allgäuland gaben hierfür den Ausschlag. Fakt ist die Allgäuländer Milcherzeuger haben nichts mehr zu verlieren. Ihr Anspruch in Zukunft für ihre Milch wieder einen fairen Preis zu erhalten ist legitim. Wer diesen Preis bezahlt und wie hoch er ist entscheidet der Markt und eben nicht die Strategen am runden Tisch der Fusionsverhandlungen. Milcherzeuger sind keine leblose Verhandlungsmasse. Sie produzieren einen derzeit begehrten Rohstoff und um den muss sich eben auch ein Weltkonzern wie Arla entsprechend bemühen! Für viele der Bergbauern ist die Insolvenz nicht mehr das Schreckgespenst, als welches sie in den vergangenen Wochen gerne dargestellt wurde. Wenn Arla nicht mit einem besseren Angebot darauf reagiert, wird es sich an den Allgäuer Bauern die Zähne ausbeißen. Sollte bis zum 10. September wirklich kein Milchgeld ausbezahlt werden, könnte die außerordentliche Generalversammlung am 12. September durchaus als Erpressungsversuch verstanden werden. Die Alternative lautet dann entweder der Übernahme zustimmen oder den Milchpreisverlust von einem Monat hinnehmen. Genau diese Strategie könnte aber die Abweichler noch schneller ins andere Lager treiben.

3.  Die Alternative

Natürlich würde eine Insolvenz von Allgäuland für regionale Turbulenzen am Milchmarkt sorgen. Wenn über 2.000 Lieferanten über Nacht auf der Straße stehen, ist dies nicht zu verhindern. Arla könnte dann aber Allgäuland dennoch aus der Konkursmasse übernehmen. Um die Milcherzeuger müsste es sich allerdings gesondert bemühen. Wenn es den Milcherzeugern parallel dazu gelingt, vor ihrer alten Genossenschaft eine starke, für die Molkereibranche attraktive Milcherzeugergemeinschaft zu gründen, stünden die Chancen, dass Arla doch noch hinter die gewünschte Milchmenge kommt gar nicht so schlecht. Sollte sich Arla beleidigt zurückziehen, bietet eine starke Milcherzeugergemeinschaft die Basis für erfolgreiche Mengen- und Preisgespräche mit anderen Molkereien. Es würde dann nicht mehr heißen >>Arla oder Insolvenz<< sondern >>Genosse oder Markt<< (siehe Milchkanne spezial Ausgabe 08/2011) .

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