MILCH BOARD
Die Deutsche Milcherzeugergemeinschaft
Als Milcherzeugergemeinschaft verfolgt die MEG Milch Board das Ziel, die Marktposition der Milcherzeuger in Deutschland nachhaltig zu stärken. Im Kern setzt sie sich für die faire Gestaltung von Marktregeln ein. Denn das Zentrale Element am Markt ist nicht der Wettbewerb, sondern die Regeln zu denen er stattfindet (Prof. Dr. Dr. Radermacher).

Die Geißel in der unsichtbaren Hand!

Veröffentlicht am: 16. Februar 2011

Es ist die unsichtbare Hand des Marktes, welche dafür sorgt, dass jeder für sein Produkt den gerechten Preis erhält. Steigt die Nachfrage, steigt der Preis, fällt sie, geht er nach unten. Das kinderleichte ABC der freien Marktwirtschaft! Es war der britische Ökonom Adam Smith der dieses >>Gebot<< 1776 als erster formulierte und welches seitdem fast 250 Jahre den westlichen Kapitalismus prägte.

Es ist die unsichtbare Hand des Marktes, welche dafür sorgt, dass jeder für sein Produkt den gerechten Preis erhält. Steigt die Nachfrage, steigt der Preis, fällt sie, geht er nach unten. Das kinderleichte ABC der freien Marktwirtschaft! Es war der britische Ökonom Adam Smith der dieses >>Gebot<< 1776 als erster formulierte und welches seitdem fast 250 Jahre den westlichen Kapitalismus prägte. Sein Grundtenor lautete: >>Staat halte dich raus, der freie Markt wird es richten<<. Nachgesungen wird dieses Lied allzu gerne von selbstverliebten Wirtschaftspolitikern, die in der Regel zu faul sind ihren Verstand zu benutzen und sich deshalb auf die Thesen eines Mannes berufen, der vor über 220 Jahren das zeitliche segnete. Dabei warnte Smith bereits zu seiner Zeit, vor den Risiken seiner eigenen Lehre. Schon ihm war bewusst, dass ein völlig liberalisierter Markt, zur Monopolisierung neigt. Das bedeutet, wenn der Größere immer den Kleineren frisst, bleibt ganz am Ende einer oder mehrere ganz Große übrig und diese gefährden letztlich das System in seinen Grundfesten. Smith war durchaus bewusst, dass auch die private Wirtschaft Schaden anrichten kann, daher seine vehemente Kritik an Monopolen und Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Was die Macht der Großkonzerne angeht, muss betont werden, dass als erster Adam Smith auf diese Gefahren hinwies und vor Gründung übergroßer Gesellschaften gewarnt hat. Dieser Teil der Lehre des freien Marktes wird von unseren liberalen Wirtschaftspolitikern gerne ausgeklammert. In unserer von Lobbyisten durchtränkten Politwelt ist es wohl aus karrieretechnischer Sicht auch geschickter sich persönlich mit den Großen zu arrangieren, als sie in ihre Schranken zu weisen.

Und was hat das Ganze nun mit der Milch zu tun? Gerade die aktuelle Marktentwicklung hier ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Smith sicherlich den freien Markt nicht ausgemalt hat. Wir sind momentan Zeugen eines Prozesses der eindrucksvoll demonstriert, was Missbrauch von Marktmacht bedeutet. Die Unverfrorenheit mit der dies praktiziert wird, erreicht dabei täglich neue Dimensionen.

Das Problem aus Sicht der Milcherzeuger, während weltweit die Nachfrage nach Milchprodukten steigt, befinden sich die Milchauszahlungspreise seit Januar eher wieder auf dem Rückzug. Die 35 Cent-Marke rückt in weite Ferne.

Sehen wir uns zuerst die Fakten an, welche eigentlich für steigende Milchpreise sprechen:

Die Weltmarktnachfrage ist gut. Beispielsweise erhöhte China seine Einfuhren an Vollmilchpulver 2010 um 68% auf 414.000 t. Parallel dazu leiden die wichtigsten Exportländer im Pazifikraum unter den Folgen der Witterung. Neuseeland erlebt eine Jahrhundertdürre, dort blieben die ersehnten Niederschläge im Sommer weitgehend aus. Der Landwirtschaftsminister überlegte im Januar bereits den Notstand auszurufen. Die Milchanlieferungsmenge sinkt drastisch. Im Gegenzug leidet Australien immer noch unter den Rekordniederschlägen an der Ostküste. Vielerorts ist die Ernte zerstört. Laut der Fachpresse fehlen auch Kühe für die Remmontierung. Der Ausfall dieser beiden Exportnationen treibt seit Monaten die Notierungen für Magermilch-, Molke- und Vollmilchpulver in die Höhe. Obwohl die EU-Kommission Anfang Februar 16.000 t Magermilchpulver aus den Interventionsbeständen verkaufte, geht die Preisrallye weiter. Laut einer Meldung von Top Agrar Online sind die Preise für Magermilchpulver weiter gestiegen. Für kurzfristige Lieferungen ist sogar kaum noch frische Ware verfügbar. Der Markt für Vollmilchpulver bleibt ebenfalls knapp versorgt. Bei den Herstellern gehen angeblich immer wieder Anfragen ein und die Käufer sind bereit, steigende Preise zu bezahlen. Der Preisanstieg bei Molkepulver hat sich ebenfalls fortgesetzt. Sowohl für Futter- wie auch für Lebensmittelware wurden kräftige Preisaufschläge erzielt. Bei Butter und Käse tendierten die Preise zuletzt ebenfalls fest bis steigend. Lose Markenbutter wird weiter sehr gut nachgefragt, bei knappem Angebot. Der Preis liegt weiter bei 3,75 € bis 3,90 €/kg. Emmentaler geht national normal, im Export gut in den Markt. Weichkäse ist gut gefragt. Schnittkäse kann im In- und Ausland sehr gut abgesetzt werden (Quelle: Top Agrar Online). Die gute Nachfrage spiegelt sich auch auf dem Spotmilchmarkt wieder. Im Süden ist die 35 Cent-Marke geknackt. In den Niederlanden stieg die Notierung zuletzt auf 38 Cent. Der Markt läuft gut, nur die Bauern bekommen davon nichts zu spüren, nein die Preise sinken sogar. Die von der Molkereiwirtschaft durchgesetzte Korrektur der Fettreferenzwerte (3,7% auf 4%) verschleiert dabei den Abwärtstrend.

Dabei hilft es wenig, wenn Leonhard Welzmiller vom Verband der Milcherzeuger in Bayern (VMB) in einer Pressemeldung anmerkt: >>Die aktuelle Absenkung der Milchpreise ist angesichts der stabilen Marktlage ein falsches Signal für die nächsten Preisgespräche mit dem Lebensmittelhandel. Es wäre angebracht, den positiven Marktperspektiven Rechnung zu tragen und den Milchpreis zumindest auf einem stabilen Niveau zu belassen. Der Markt rechtfertigt derzeit keine Reduzierung der Milchpreise<<. Herr Welzmiller sie erhalten hier gerade eine Schulstunde in freier Marktwirtschaft. Das was wir jetzt auf dem Milchmarkt erleben, passiert wenn der Markt aus dem Gleichgewicht gerät. Hier steht eine stark gebündelte Abnehmerseite, einem losen und zerstrittenen Haufen von unorganisierten Milcherzeugern gegenüber. Der Markt zeigt jetzt seine hässliche Fratze und lächelt nur müde über die verbalen Luftblasen des VMB-Präsidenten. Dabei hilft auch nicht die gelobte >>vertikale Integration<< der Milcherzeuger in ihren Genossenschaften. Das Einzige was hilft ist die massive Bündelung der Milcherzeuger am Markt. Herr Dr. Kloos, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, merkte kürzlich bei einem Gespräch mit Vertretern der MEG Milch-Board an, dass das Milch-Board mit seinen Bestrebungen ein Erzeugerkartell zu gründen, die Grundregeln der freien Marktwirtschaft in Frage stelle. Herr Dr. Kloos, die Grundregeln der freien Marktwirtschaft sind mit der massiven Bündelung der Abnehmerseite, spätestens aber mit der Nordmilch-Humana-Fusion, längst außer Kraft gesetzt. In weiser Voraussicht haben die Gründerväter der Bundesrepublik für diesen Fall das Marktstrukturgesetz erlassen. Jetzt wo es mehr denn je benötigt wird, neigt die Bundesregierung dazu die bestehenden Bündelungsmöglichkeiten einzuschränken. Dies ist ein Skandal! Wer zu Großkonzerngründungen mit Monopolcharakter nicht Nein sagt, darf den Bauern die Bündelung nicht verwehren! Nur wenn es den Erzeugern gelingt Marktmacht aufzubauen, werden sie auch an einer positiven Marktentwicklung, wie wir sie derzeit erleben, profitieren können. Gelingt es nicht, wird die unsichtbare Hand des Marktes zur Geißel für die Schwachen und zum Goldesel für die Starken.

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