Laut einer Veröffentlichung der EU-Kommission erhielten die Milcherzeuger in Deutschland 2009 im Schnitt 22,18 Cent je kg Milch. Im gleichen Zeitraum wurden in Österreich 25,32 Cent, in den Niederlanden 27,02 Cent, in Frankreich 29,95 Cent und in Italien gar 31,5 Cent an die Landwirte ausbezahlt. Dieser Kostenvorteil ermöglicht es den deutschen Molkereinen einen harten Verdrängungskampf auf den Exportmärkten der EU zu führen, zum Leidwesen der dort ansässigen Milcherzeuger.
In Frankreich hat sich daran nun ein ernster Konflikt zwischen den französischen Molkereinen und ihren Milcherzeugern entzündet. Während die Bauern eine Anhebung der Milchpreise auf 33 Cent (bei 3,80% Fett und 3,20% Eiweiß) fordern, pochen die Molkereinen auf eine Angleichung an das niedrigere deutsche Preisniveau, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit werden eindeutig die deutschen Milchpreise als Druckmittel für Preissenkungen im europäischen Ausland missbraucht. Damit drückt nicht die Konkurrenz im Ausland unseren Preis, sondern wir die Preise im Ausland.
Was folgern wir daraus?
1. Die Milchviehalter in Deutschland müssen niedrige Milchpreise ertragen, damit die deutsche Molkereiwirtschaft ihren Exporteifer befriedigen kann. Der Profit ist hierbei einseitig verteilt!
2. Die Milchviehhalter in Europa sind sehr schlecht informiert und arbeiten wenig zusammen. Das Prinzip >>teile und herrsche<< funktioniert immer noch so effizient wie zu Zeiten der Bauernkriege im Mittelalter.
3. Deutschland ist der Milchriese in der EU. Der Preisdruck auf dem europäischen Milchmarkt ist deshalb zu einem Großteil hausgemacht. Die Augen sind auf Deutschland gerichtet, wir sollten uns dieser Verantwortung endlich bewusst werden und entsprechend handeln.
4. Von hohen Exportquoten profitieren bei Dumpingpreisen am Rohstoffmarkt nur die Molkereien.
5. In Frankreich verhandeln die Milcherzeuger so genannte Erzeugerpreisempfehlungen mit ihren Molkereien aus. Die Forderungen der Bauern orientieren sich dabei an den Kosten der Produktion. Dieses Modell wird in Frankreich von der Politik unterstützt und sollte uns in Deutschland als Vorbild gelten. Die Erzeugerseite kann in diesen Verhandlungen eine starke MEG Milch Board vertreten!
Deutschland drückt den Milchpreis!
Veröffentlicht am: 12. August 2010
In vielen Diskussionen wird immer wieder das Argument zu Felde geführt, >>Wenn in Deutschland zu hohe Milchpreise ausbezahlt werden, wird der Markt von Milch aus den Nachbarländern überschwemmt<<. Was viele dabei allerdings nicht beachten ist die Tatsache, dass in Deutschland schon seit längerem viel niedrigere Preise ausbezahlt werden als jenseits der Grenzen.
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